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Die Wuppertaler Stadtwerke wurden 2007 in die Teilbeiche Energie & Wasser, Netze und Mobilität aufgespalten. Eigentümerin der drei Subunternehmen war die WSW Wuppertaler Stadtwerke GmbH, die zu 99,4% der Stadt Wuppertal gehört (die übrigen Anteile hält der Ennepe-Ruhr-Kreis). Offenbar war die Aufspaltung der erste Schritt zur Teilprivatisierung, denn im Jahr 2009 wurden 33,1% der WSW Energie & Wasser AG an den multinationalen Konzern GDF Suez verkauft. Dieser ist vor allem in der Energieversorgung tätig und betreibt Kohle- und Atomkraftwerke, mischt aber auch bei der Abfallwirtschaft und Wasserversorgung mit — kurz gesagt alles, was man sich an ehemals öffentlichem Eigentum so aneignen kann.
Mit dem neuen „Kooperationspartner“ beteiligten sich die WSW dann auch gleich an einem neuen Kohlekraftwerk in Wilhelmshaven und rühmen sich nun der äußerst modernen, hocheffizienten Technologie dieses Kraftwerkes. Und tatsächlich ist der Wirkungsgrad für ein Kohlekraftwerk mit 46% einigermaßen hoch, im Vergleich zu halbwegs effizienten Gaskraftwerken jedoch lächerlich gering: Mehr als die Hälfte der Energie geht ungenutzt verloren. Zudem werden neue CO2-Schleudern in Zeiten der Energiewende schlicht nicht mehr gebraucht.
Der Strommix der WSW enthält 9% Atomstrom, Tendenz entgegen aller Behauptungen von WSW-Vertretern seit Jahren steigend — auch im Fukushima-Jahr 2011, in dem sieben Atomkraftwerke abgeschaltet wurden. Dagegen ist der Anteil der erneuerbaren Energien vollkommen entgegen dem bundesweiten Trend rückläufig und liegt mittlerweile sogar unter dem gesamtdeutschen Anteil.
Kritik an ihrer Geschäftspolitik beantworten die WSW jedoch mit wenig Gegenliebe: Mehrere Infoveranstaltungen über Ökostrom in Wuppertal, die in kommunalen Einrichtungen stattfanden oder stattfinden sollten, wurden von hochrangigen WSW-Vertretern torpediert, indem sie androhten, den betreffenden Einrichtungen die Spendengelder zu streichen. Eine der Veranstaltungen wurde daraufhin abgesagt. Leider verhinderten sie allerdings erfolgreich die Sammlung von Beweisen.
Zum 1. Januar 2013 erhöhen die WSW ihre Strompreise um durchschnittlich fast 11%. Sie verweisen dabei in ihrer Presseerklärung auf die gestiegene EEG-Umlage und andere staatliche Abgaben, die diese Erhöhung jedoch nur teilweise rechtfertigen würden. Die Preiserhöhung diene nicht dem Ziel der Profitmaximierung, vielmehr sei die Energiewende Ursache der Kosten. Damit verbreiten auch die WSW diese gängige Anti-EEG-Propaganda — kein Wunder, sind sie doch mit dem Kohlekraftwerk Wilhelmshaven zu 15% an einem Projekt beteiligt, dass dem Ausbau der erneuerbaren Energien diametral entgegensteht.
„Stadtwerke statt Großkonzerne“ ist ein gerne bemühter Slogan, wenn es um die Dezentralisierung der Energieversorgung geht. Doch das funktioniert nur, wenn die Stadtwerke wirklich die Energiewende vorantreiben. Genau das wird aber von der großen Koalition aus CDU und SPD im Wuppertaler Stadtrat seit Jahren blockiert. Zudem braucht echte Dezentralisierung demokratische Kontrolle; und das bedeutet auch, dass Großkonzerne wie GDF Suez nicht ihre Hand im Spiel haben dürfen. Das Beispiel der Wuppertaler Stadtwerke zeigt sehr deutlich, dass eine (mehrheitlich) kommunale Energieversorgung allein kein Garant für eine zügige und soziale Energiewende ist.

…das ist Kapitalismus mit menschlichem1 Antlitz™ gegen rechten Terror2. Ihr habt die Wahl, US-Amerikaner3!

1 Drohnenkriege und Guantanamo eingeschlossen — gegen DAS BÖSE™ ist alles recht.
2 Ein anderes Wort fällt mir zu Romney nicht mehr ein.
3 Menschen, die unter 18 sind, keine Papiere haben, im Gefängnis sitzen oder von „Aktivisten“ davon abgehalten werden, die falsche Partei zu wählen, sind mit diesem Begriff selbstverständlich nicht gemeint.