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All posts by yury

#1
Vlad: Gib mir sofort den Teddy!
Ukri: Nein, das ist meiner! Und außerdem mein Lieblingskuscheltier!
Vlad: Aber vorher war es meiner!
Ukri: Geschenkt ist geschenkt!
Vlad: Okay, Kompromiss: Ich nehme den Teddy mit, und dann darf er entscheiden, zu wem er will.
Ukri: Vergiss es… aaaargh! Gib – mir – den – Teddy – zurück!
Vlad: Er hat sich entschieden. Er wollte eindeutig zu mir.
Wikipedia: Krimkrise

#2
Ukri: Ich hasse dich!
Vlad: Ich hasse dich auch!
Ukri: Du Opfer!
Vlad: Nein, DU Opfer!
Ukri: Ich schlag dir aufs Maul!
Vlad: Deine Kuscheltiere schlagen dir aufs Maul!

#3
Vlad: Ey, Ukri.
Ukri: Was?!
Vlad: Peace, Alter. Lass mal vertragen.
Ukri: Nö, ey! Ich hasse dich! Was für vertragen?! Du willst mich doch nur verarschen! Hau ab, Mann!
Jazenjuk lehnt Putins Sieben-Punkte-Plan ab

#4
Vlad: Okay. Ich mache dir ein Angebot, das du nicht ablehnen kannst. Deinen Lieblingsteddy behalte ich. Aber bei deinen anderen Kuscheltieren können wir drüber reden, wer von uns sie bekommt.
Ukri: Produzier mich nicht! Ich hol meinen großen Bruder!
Vlad: Mach doch! Angsthase, Pfeffernase!
Putin fordert Gespräche über Staatlichkeit der Ostukraine

#5
Ukri: Wääääääh! Vlad will mir meine Kuscheltiere wegnehmen! Wääääääh!
Vlad: Stimmt doch gar nicht!
Großer Bruder: Hier haste Geld und ne Knarre, Ukri. Vlad, wenn du nicht damit aufhörst, bekommst du es mit mir zu tun!
NATO sagt Kiew Hilfe bei Modernisierung der Armee zu

#6
Esti, Letti & Liti: Wääääääh!
Großer Bruder: Wasn los mit euch?
Esti, Letti & Liti: Vlad will uns auffressen!
Großer Bruder: Wie kommt ihr denn darauf?
Esti, Letti & Liti: Hat der schon mal gemacht! Wääääääh!
Großer Bruder: Okay, okay. Hier habt ihr ein paar Waffen, aber nur zur Verteidigung, verstanden? Vlad könnt ihr sagen, wenn er noch mal stresst, kriegt er aber mal so was von atommäßig auf die Fresse!
Estland will eigenen Nato-Stützpunkt

#7
Esti, Letti & Liti: Vlad?
Vlad: Was wollt ihr, ihr baltischen Öpfer?!
Esti, Letti & Liti: Wir sollen dir von unserem großen Bruder sagen, wenn du noch mal stresst, kriegst du aber mal so was von atommäßig auf die Fresse!
Vlad: OHA… zschüüüsch.
NATO-Drohkulisse in Osteuropa gegen Moskau

#8
Ukri: Vlad und ich, wir haben uns voll vertragen. 😎
Vlad: Was laberst du?!
Ukri: Ich hab gesagt: Vlad und ich, wir haben uns halbwegs vertragen. 😎
Vlad: Ukri, du Bauer! Hör auf, Scheiße zu labern! Gar nix haben wir!
Ukri: Vlad und ich, wir, öh… sind uns einig, dass wir uns eigentlich vertragen wollen…
Vlad: Yo. 😎
Kreml dementiert Waffenruhe mit Poroschenko

[Fortsetzung folgt. Leider.]

„Es ist unsere humanitäre Verantwortung und unser sicherheitspolitisches Interesse, den Leidenden zu helfen und den IS zu stoppen.“ So spricht Ursula von der Leyen. Aber angesichts der getroffenen Entscheidung steckt dahinter nichts als Heuchelei.
Der zur Quatschbude degradierte Bundestag debattierte am Montag über eine Entscheidung, die die Regierung bereits am Sonntag verbindlich getroffen hatte. Deutschland liefert Waffen an die Peschmerga, das sind die Streitkräfte der von Masud Barzani beherrschten Autonomen Region Kurdistan im Nordirak. Außerdem wurde humanitäre Hilfe im Wert von lächerlich geringen 50 Millionen Euro zugesagt.
Barzani und seine PDK (Demokratische Partei Kurdistans) ist bekannt für milliardenschwere Korruption und seinen autoritären Regierungsstil. Die offizielle Legitimation für die Waffenlieferungen war unter anderem der von deutschen Medien tagelang verbreitete Mythos, die Peschmerga habe die im Sindschar-Gebirge eingeschlossenen Yezid_innen gerettet. Tatsächlich sind die Peschmerga vor dem IS geflohen. Die PKK (Arbeiterpartei Kurdistans) und die YPG, das sind die Selbstverteidigungseinheiten der de facto autonomen kurdischen Region Rojava in Nordsyrien, hatten die Menschen gerettet.
Die bittere Ironie dabei ist, dass die PKK in Deutschland im Gegensatz zum IS immer noch eine verbotene Organisation ist. Zudem steht sie auf der EU- und der US-Terrorliste. Das geht so weit, dass in Deutschland lebende Kurd_innen, die sich in irgendeiner Form politisch engagieren, jederzeit eine Verhaftung wegen der Mitgliedschaft in der PKK oder einer „Ersatzorganisation“ befürchten müssen. Vor einigen Tagen erst wurde ein Kurde in Deutschland wegen Aktivität für die PKK festgenommen. Wer in Deutschland auf Demonstrationen mit Bildern von Abdullah Öcalan (dem in der Türkei inhaftierten PKK-Vorsitzenden) herumläuft, riskiert einen Polizeiübergriff, während das selbst in der Türkei mittlerweile toleriert wird.
Die einzige Quelle der Hoffnung in der Region ist Rojava (Westkurdistan). Diese kurdische Region in Nordsyrien wurde während des syrischen Bürgerkriegs in einer Art stillen Revolution von Kurd_innen übernommen, die das Assad-Regime vertrieben und sich gleichzeitig gegen die islamistischen Rebellen verteidigten. Trotz der extrem prekären Situation wurden demokratische Rätestrukturen aufgebaut. Zudem zeichnet sich Rojava durch eine hohe Beteiligung von Frauen und ein friedliches Zusammenleben von zahlreichen religiösen Minderheiten aus. Es wurden zahlreiche kurdische Flüchtlinge aus dem Nordirak aufgenommen. Gleichwohl sind die materiellen Bedingungen äußerst prekär, und das liegt vor allem an dem vom NATO-Partner Türkei verhängten Hungerembargo. Dieses wird auch von Barzani mitgetragen. Die Peschmerga haben an der Grenze zwischen dem nordirakischen Autonomiegebiet und Rojava einen mit bewaffneten Einheiten besetzten metertiefen Graben gezogen. Also ist Rojava quasi von allen Seiten eingeschlossen.
Währenddessen werden die IS-Kämpfer von einflussreichen Gruppen in Katar und Saudi-Arabien finanziert, die aufgrund von geopolitischen und Ölinteressen exzellente Partner (und Empfänger von Waffenexporten!) des Westens sind. Darüber hinaus erhält die IS vom NATO-Mitglied Türkei logistische Unterstützung.
Statt Waffen an die Peschmerga zu liefern, sollte die Bundesrepublik also in vernünftigem Umfang humanitäre Hilfe leisten und Flüchtlinge aufnehmen, und zwar nicht in den lächerlichen Dimensionen von 5.000 oder 10.000, die dann nicht einmal erfüllt werden. Außerdem muss das PKK-Verbot aufgehoben werden. Die Regierung sollte Druck auf die Türkei und Barzani machen, das Embargo endlich aufzuheben. Und Rüstungsexporte müssen endlich verboten werden!

Da ist sie nun, die mit Pauken und Trompeten angekündigte „neue Verantwortung“ in der deutschen Außenpolitik: Waffen in ein Konfliktgebiet liefern. So neu, wie Merkel, Steinmeier und von der Leyen behaupten, ist das angesichts von früheren deutschen Rüstungsexporten in den Irak und nach Israel zwar nicht. Aber es ist ein Tabubruch, Waffenlieferungen in ein Konfliktgebiet offen als solche zu bezeichnen. Die Rechtfertigungslinie besteht im Moment noch darin, auf die extreme Ausnahmesituation zu verweisen. Das dürfte sich aber in Zukunft ändern, denn die deutsche Rüstungsindustrie ist sicherlich daran interessiert, die Tür ganz aufzustoßen, die mit diesen Waffenexporten und der dazugehörigen Propaganda nun einen Spalt breit geöffnet wurde. Auch der erste Kampfeinsatz der Bundeswehr im Ausland, der Kosovokrieg, wurde schließlich von der damaligen rot-grünen Regierung mit Ausnahmerhetorik (Faschismusvergleiche etc.) legitimiert. Hier geht es schlicht und einfach darum, eine weitere Militarisierung der deutschen Außenpolitik durchzusetzen, damit die geopolitischen Interessen des deutschen Kapitals international ein größeres Gewicht bekommen.
Aber es ist klar, dass Waffen keinen Frieden schaffen können. Das, was dem Nahen Osten zurzeit am wenigsten fehlt, sind weitere Waffen, denn davon gibt es in dieser Region wahrlich genug. Stattdessen sollte Deutschland endlich seine Verantwortung für humanitäre Hilfe in angemessener Form wahrnehmen. Die nun zugesagten 50 Millionen Euro sind ein Tropfen auf dem heißen Stein. Und als erster Schritt zu einer umfassenden Rüstungskonversion müssen deutsche Waffenexporte endlich verboten werden!

Oh, ihr Armen… Einige der größten deutschen Online-Nachrichtenseiten (darunter Spiegel, Zeit, Süddeutsche und die Rheinische Pest Post) betteln die NutzerInnen jetzt an, doch bitte ihre Werbeblocker abzuschalten. Adblock Plus kommentiert das auf Twitter mit:

„Danke für Euren Aufruf, liebe Verlage! Unsere Bilanz gestern: Installationen auf http://AdblockPlus.org +129%, Spenden +167% #Adblock“

Und auf die Gefahr hin, mit einem Pingback großes Wehklagen auszulösen,

„Als ich heute Morgen das Internet aufschlug, erhob sich ein lautes Jammern und Wehklagen. Das war noch lauter als mein eigenes Wehklagen, in das ich immer ausbreche, wenn ich im Internet ein generisches Femininum oder die Mädchenmannschaft erblicke.
Es war das selbstmitleidige Rumgeweine von diversen Online-Nachrichtenmagazinen, die sich bitterlich darüber beklagten, dass ich einen Werbeblocker benutze und damit aller Voraussicht nach alleinverantwortlich dafür sein werde, dass sie ihr Onlineangebot zeitnah aufgeben müssen.“

verlinke ich einen guten Kommentar von Meike Lobo dazu.

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Immer diese faulen, asozialen, deutschenfeindlichen Südeuropäer. Nichts als Randale haben die im Kopf.

Randale

Nachricht des Tages auf Spiegel Online: Gewaltbereite zyprische Terroristen stehlen Deutschlandfahne.

 

2 Jahre sind nun vergangen seit der Atomkatastrophe von Fukushima. Trotzdem sind Zehntausende Menschen an diesem Wochenende und heute zum Jahrestag für einen Ausstieg auf die Straße gegangen, der diesen Namen verdient — und das bei Schnee, Eis und Regen. Am Samstag waren fast 30.000 Menschen an 4 deutschen Atomstandorten, gestern einige Tausend auf einer trinationalen Demonstration gegen das grenznahe belgische AKW Tihange und heute fanden sich bei über 200 dezentralen Mahnwachen knapp 10.000 Menschen zusammen.

Die Antiatomkraftbewegung ist von ihrer Stärke im Jahr 2o11 weit entfernt, aber sie lebt. Und sie streitet für einen schnellen Ausstieg anstelle einer Laufzeitgarantie bis 2022.

Wie jeder1 weiß, gibt es in unserer parlamentarischen Demokratie Regierung und Opposition. Die Rollen der beiden Lager sind auf den ersten Blick klar verteilt: Die Regierung regiert, und die Opposition opponiert. Praktisch sieht das oft anders aus, denn Regierung und Opposition müssen in ganz seltenen besonderen Krisensituationen auch schon mal pragmatisch kooperieren, um alternativlose Maßnahmen auf Kosten der verarmten Bevölkerung umzusetzen. Eigentlich sind Konflikte sind aber durchaus erwünscht, solange sie sich innerhalb eines bestimmten Rahmens abspielen, weil sie den Anschein von Pluralität erwecken. „Es gibt in Deutschland mittlerweile 7 größere Parteien“, hörte ich neulich einen Politiker gegen einen „politikverdrossenen“ Jugendlichen argumentieren, der sich anmaßte, ein negatives Urteil über unsere wundervolle deutsche demokratische Parteiendemokratie zu fällen.  „Da kannst du mir doch nicht erzählen, dass da keine für dich dabei ist.“ Wieso er die CSU als eigenständige Partei mitzählte und die Leihstimmen-FDP als „groß“ bezeichnete, sei einmal dahingestellt. Aber es ist durchaus nützlich, den WählerInnen zu suggerieren, sie hätten eine Wahl zwischen Parteien, die sich substantiell voneinander unterscheiden. Dass das immer weniger gelingt, zeigen sinkende Wahlbeteiligungen, die dann wiederum dazu führen, dass sich unzählige ExpertInnen in irgendwelchen Interviews und Talkshows über Gründe für die um sich greifende „Politikverdrossenheit“2 auslassen. Das geht dann so weit, dass behauptet wird, die niedrigen Wahlbeteiligungen seien ein Zeichen für die Zufriedenheit der BürgerInnen mit der Politik. Absurder geht es kaum.
Faktisch unterscheiden sich die Parteien der sogenannten Opposition im Bundestag kaum von der Regierung. Klar, laute oppositionelle Töne sind immer zu vernehmen, aber in Taten (d.h. Abstimmungsergebnissen) schlagen sich diese selten nieder.
Bei SPD und Grünen muss man gar nicht erst auf die sozialen Verbrechen der rot-grünen Koalition zwischen 1998 und 2005 verweisen. Auch die derzeitige Politik der selbsternannten „Regierung im Wartestand“ bringt ihr wahres Gesicht zum Vorschein. Nicht nur hat Rot-Grün mehrfach dem Kürzungsdiktat für mehrere südeuropäische Staaten zugestimmt, das Millionen von Menschen in den sozialen Abgrund geführt hat. (Sie wollten wohl die glorreichen Folgen ihrer Hartz-IV-Politik auf Europa ausdehnen.) Auch kritisieren sie regelmäßig die Bundesregierung von rechts, wenn es um Militäreinsätze geht. Deutschland müsse „mehr Verantwortung übernehmen“ für Libyen, Syrien, Mali — endlich wieder Krieg! Da bekommt die Wahlkampfparole „Grün gewinnt“ eine ganz neue Bedeutung. Auch die sogenannte Schuldenbremse, die ein Instrument zur Legitimation weiterer Sozialkürzungen ist, wird selbstverständlich von SPD und Grünen und mittlerweile auch von Teilen der Linken mitgetragen, ebenso wie die Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke bis 2022. Mit Peer Steinbrück und Katrin Göring-Eckardt haben sie SpitzenkandidatInnen ernannt, die wie kaum jemand anders für Kriege, Agenda 2010 und die Deregulierung der Finanzmärkte stehen. Zu Parteispenden haben beide Parteien ein unkritisches Verhältnis, profitieren sie doch selbst in hohem Maße von dieser offiziellen Korruption. Und schließlich ist sich zumindest die SPD mit der Regierung sowohl über den Nutzen von Großprojekten wie etwa dem Berliner Flughafen oder Stuttgart 21 als auch über die Notwendigkeit von Kohlekraftwerken in der Stromproduktion vollkommen einig.
Äußerst verlogen ist auch der neueste Vorstoß der rot-grünen Bundesratsmehrheit zur Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns, hat sie sich doch dessen 11 Jahre lang von 1998 bis 2009 verweigert (und das, obwohl die offizielle Parteilinie der SPD ihn wenigstens ab 2005 unterstützte!). Jetzt, wo die Mehrheit dafür nicht mehr da ist, fordert die SPD den Mindestlohn.
Die Linkspartei nimmt verbal und programmatisch eine stärkere Oppositionsrolle ein als SPD und Grüne. Sie ist die einzige im Bundestag vertretene Partei, die immerhin dem Programm nach eine sozialdemokratische Linie vertritt. Allerdings kann und konnte man in Berlin und Brandenburg beobachten, wohin Regierungsbeteiligungen der Linkspartei führen: Sie bricht reihenweise ihre Wahlversprechen und arbeitet eifrig dabei mit, die Bevölkerung mit immer neuen vollkommen ausgewogenen Sparmaßnahmen zu beglücken. In Brandenburg ist sie beispielsweise plötzlich für Braunkohlekraftwerke und CO2-Endlager, während die sächsische Landtagsfraktion sogar für die „Schuldenbremse“ eintritt, ohne überhaupt an der Regierung beteiligt zu sein.
Die französische Schwesterpartei der Linken ist währenddessen dabei, den Präsidenten Hollande nach Kräften dabei zu unterstützen, das zu tun, was er als Sozialdemokrat nun mal am besten kann: Wahlversprechen brechen und die Basis verraten, links blinken und rechts abbiegen. Aktuell zeigt sich das beispielsweise an ihrer Unterstützung für Hollandes Krieg gegen Mali.
In Deutschland treten die von den Medien gehätschelten sogenannten Reformer innerhalb der Linkspartei für mehr Regierungsbeteiligungen ein. Die in letzter Zeit gehäuft auftretenden Koalitionsangebote an SPD und Grüne stehen ebenfalls für diesen Kurs der Anbiederung.
Abschließend noch ein Wort zu den Piraten: Anders als die meisten Medien halte ich es nicht für sinnvolle Kritik, einfach nur immer und immer wieder auf ihre Zerstrittenheit und ihre Umfrageergebnisse hinzuweisen (wenn sie überhaupt noch erwähnt werden). Dennoch ist das, was die Piratenpartei macht, von Opposition weit entfernt. Die Piraten wollen in erster Linie Verfahren des politischen Systems ändern; an den Inhalten sind sie weniger interessiert. Transparenz lautet das universelle Schlagwort. Das mag ein ehrenwertes Ziel sein, es genügt jedoch nicht ansatzweise. Die üblen Folgen unseres wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Systems sind auch heute schon transparent genug (oft sogar in maschinenlesbarem Format!), und trotzdem ändert sich nichts daran. Wer ist schon gegen Transparenz? Das ist ein nettes Wort, welches man wundervoll in Sonntagsreden, Verlautbarungen und Programme einbauen kann. Was es nützt, steht auf einem anderen Blatt.
„Für dieses System ist ein Update verfügbar“, plakatierte die Piratenpartei im nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf. Dieser Spruch offenbart nicht nur ihre äußerst ambitionierten politischen Ziele, sondern auch ihr technokratisches Politikverständnis im unideologischen Gewand. „Wir sind nicht links oder rechts, sondern vorne“, sagen sie, „wir lassen uns nicht in die klassischen Kategorien einordnen. Wir machen Politik ohne Ideologie.“
Dabei behilflich sind ihnen nicht nur Nazis in den eigenen Reihen, sondern auch ein Parteivorsitzender, der im Ministerium für Frieden, Völkerverständigung und humanitäre Hilfe3 arbeitet und ein ehemaliges CDU-Mitglied als Stellvertreter. So sieht das Personal einer progressiven oppositionellen Partei aus.
Nein, es hilft alles nichts: Opposition ist das wirklich nicht, was man da im Bundestag so beobachten kann. Die Verbalopposition der Linkspartei ist so lange einigermaßen unterstützenswert, bis die Partei Regierungsbeteiligungen auf Bundesebene ernsthaft erwägt. Das wäre dann der Todesstoß für den letzten Rest linker Opposition im Bundestag.

1 Wie die Pisastudie 2015 herausfand, glauben 57,3% der deutschen Jugendlichen, Opposition sei eine spezielle Schachstellung.
2 Wer hat eigentlich die eigenartige Wortkonstruktion „Verdrossenheit“ erfunden?
3 kurz: Minipax

Wow, die Kapitalisten von der Initiative Arbeit Macht Frei, äh, Interessengemeinschaft Neuer Asozialer Marktapologeten, äh, egal wie sie heißen — jedenfalls haben sie Unterschriften gegen das EEG gesammelt. Mit einem hochmodernen Javascript-Tool, das es jedem Menschen oder Bot ermöglichte, beliebig oft abzustimmen (ohne Name, Adresse oder Ähnliches anzugeben). Und jetzt sind sie fertig und haben die Stimmen „zur Kanzlerin getragen“. Siehe da, es sind „mehr als 3300“ plus ein paar altbekannte Mitglieder der neoliberalen Industrie- und Universitätscommunity! Die paar Leute, die versehentlich (siehe Kommentare auf der verlinkten Seite) oder absichtlich (um zu erfahren, wie viele Stimmen bereits gesammelt wurden, weil das Tool das erst nach der Abstimmung verriet) gegen ihre Überzeugungen abgestimmt haben, müssten natürlich noch abgezogen werden. Aber so oder so:

Herzlichen Glückwunsch, liebe INSM (mir ist der Name wieder eingefallen…)! Damit kommt ihr fast an Campact heran. Die haben nämlich für eine gerechte Energiewende mit EEG Unterschriften (mit Name und Adresse) gesammelt und haben gerade mal 92.000 Unterstützer, also nur knapp das 28fache. Das zeigt mal wieder die starke basisdemokratische Verankerung der INSM in der Bevölkerung.

Guten Rutsch!

Freiheit ist Verantwortung, wenn ich das an dieser Stelle sagen darf, und Solidarität ist Frieden, denn Frieden schafft die Bundeswehr.

Ich als Bundespräsident all jener Deutschen, die mit dem Boden fest auf den Füßen der grundsätzlich demokratischen Freiordnung sitzen, wünsche allen Anhängern der christlich-jüdischen Leitkultur frohe Feiertage.

Ruhen Sie sich gut aus, damit Sie sich im neuen Jahr wieder voller Aufopferung für Ihr Unternehmen und Ihr Land von Ihrem Arbeitgeber ausbeuten lassen können.

 

Diese (aus Rücksicht auf den Leser gekürzte) Weihnachtsansprache von Joachim „Joey“ Gauck wurde Ihnen präsentiert von Rheinmetall.

Sieh an, sieh an. Meine lieben RepräsentantInnen, ihr wollt also die NPD verbieten? Mehr noch, ihr habt euch dazu durchgerungen, eine rechtsextreme Partei ins Visier zu nehmen, ohne gleichzeitig mindestens eine „linksextreme“ und eine „islamistische“ Partei verbieten zu wollen? Dafür erst einmal meinen herzlichen Glückwunsch. Aber ein paar Fragen hätte ich da noch:

Was ist gefährlicher? Ein als solcher zweifelsfrei zu identifizierender Wolf oder hundert Wölfe im Schafspelz, die sich noch dazu selbst als unschuldige Lämmer wahrnehmen? Wann verbietet ihr Sarrazin, wann Buschkowsky, wann die Parteien, die diesen eine Plattform bieten? Wann werden die neun Prozent der Deutschen mit einem „geschlossenen rechtsextremen Weltbild“ verboten, wann die 60%, die islamophoben Aussagen zustimmen? Wann verbietet ihr Politically Incorrect und ihre „islamkritischen“ AnhängerInnen, wann die CSU?

Und was ist mit den Ursachen? Wer von euch verbietet die Bildzeitung oder gleich den Springerverlag? Wer schafft den Verfassungsschutz ab?

Wer verbietet Abschiebung, Residenzpflicht und Frontex, wer Racial Profiling, Arbeitsverbot und Asylkompromiss?

Wenn ihr wirklich die NPD abschaffen wollt, warum wartet ihr dann nicht einfach, bis sie pleite geht? Oder noch besser: Warum zieht nicht alle eure so unglaublich treuen V-Leute heraus, und schon bricht die Partei in sich zusammen?

Können Menschen illegal sein?

Was ist, wenn CDU und FDP im sächsischen Landtag mit den Stimmen der NPD die Immunität von Abgeordneten aufheben, die gegen einen Naziaufmarsch protestiert haben?
Der Aufmarsch war offiziell genehmigt, der Protest nicht; was spricht also dagegen?
Die Verfahren, die zur Immunitätsaufhebung führten, wurden übrigens wegen Anzeigen der NPD eröffnet.
Vielleicht sind die Rechten ja doch zu etwas gut?
Zur Abwehr der kommunistischen Gefahr?
So wie 1919?
Alles herbeifantasierter Quatsch.

Ist eine „nationaldemokratische“ Partei nicht auch demokratisch, wenn die nationalsozialistische Partei sozialistisch war?
Oder ist der Nomen vielleicht doch nicht immer auch Omen?

Kann man Dummheit verbieten?

Fragen über Fragen.